23 - 03 - 2017

Feuerwehrtechnik

Das Atemschutzgerät

Atemschutz wird bei der Feuerwehr immer dann benötigt wenn Kontakt mit giftigen Gasen, Dämpfen oder Rauch nicht vermeidbar ist. Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten geht die Feuerwehr daher in den meisten Fällen mit umluftunabhängigen Atemschutz vor.

Ein sogenannter Pressluftatmer besteht aus verschiedenen Baugruppen:

  • Atemluftflasche 300 bar 6 l oder 6,8 l
  • Tragegestell mit Gerätetechnik
  • Lungenautomat
  • Maske

Atemluftflasche
Bei der Feuerwehr werden in der Regel 6 l Stahlflaschen oder 6,8 l Kohlefaserverbundwerkstoff mit Alu oder Kunststoffinnenleben (CFK) Flaschen verwendet. Letztere sind zwar teurer aber sehr leicht und somit sinkt die Belastung des Geräteträgers. Zum Vergleich: Während ein Gerät mit Stahlflasche um die 16 Kilo wiegt, bringt ein Gerät mit CFK-Flasche nur knappe 10 Kilo auf die Waage und das mit 0,8 l mehr Luft.
Die Flasche wird über einen speziellen Kompressor mit 300 bar Druck befüllt, somit befinden sich ca. 1600 l  Luft in einer Flasche. Dies reicht je nach Luftverbrauch für ca. 20 bis 30 min Arbeitszeit.

Tragegestell mit Gerätetechnik
Das Gerät wird mit Hilfe eines an die Körperform angepassten Tragegestells wie ein Rucksack getragen. Auf dem Tragegestell befindet sich der Druckminderer der mit der Flasche fest verschraubt wird. Der Druckminderer reduziert den Flaschendruck auf einen Mitteldruck von ca. 6 bar dieser wiederum gelangt über eine Leitung zum sog. Lungenautomaten. Außerdem kann der Geräteträger über ein auch bei völliger Dunkelheit ablesbaren Druckmesser ständig seinen Flaschenfülldruck ablesen. Ein Warnsignal ertönt automatisch bei 55 bar Restdruck.

Lungenautomat
Der Lungenautomat ist eine atemgesteuerte Dosiereinrichtung. Er wird an die Maske geschraubt oder gesteckt. Durch den beim Einatmen entstehenden Unterdruck wird im Automat eine Membran bewegt, diese wiederum öffnet ein Dosierventil das Luft durch den Lungenautomaten in die Maske strömen lässt.

Maske
Die Atemschutzmaske wird mit einer Bebänderung am Kopf fixiert. Die Luft strömt beim einatmen an der Scheibe entlang und gelangt über kleine sog. Steuerventile in die Innenmaske und erst darüber in den Körper, somit wird ein beschlagen der Sichtscheibe weitestgehend vermieden.

Unterschied zwischen Normal und Überdrucktechnik
Beim Normaldrucksystem herrscht in der Maske der normale Umgebungsdruck. Durch einem speziellen Lungenautomaten und einer ebenfalls darauf abgestimmten Maske ist bei der Überdrucktechnik ein geringfügig höherer Druck als in der Umgebung vorhanden, so wird das eindringen von Schadstoffen verhindert.

  • Bei der Feuerwehr Stade wird ausschließlich Überdrucktechnik mit Steckanschlusslungenautomaten verwendet. Außerdem werden bereits auf beiden Tanklöschfahrzeugen und Drehleitern Geräte mit CFK Flaschen vorgehalten.

Holster
In der Feuerwehr Stade sind an jedem Atemschutzgerät sogenannte "Holster" angebracht. Die schwerentflammbaren Taschen sind ausgestattet mit

  • einer Rettungsschlinge, zum Retten und Selbstretten von Personen,
  • einer Rettungsschere, zum durchtrennen von Materialien,
  • 2 Unterlegkeilen, zum Sichern und Aufsperren von Türen und Fenstern,
  • Kreide zum Kennzeichnen von Räumen die dursucht wurden bzw. durchsucht werden.

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Die Atemschutznotfalltasche

Die Atemschutznotfalltasche dient zum Retten eines verunfallten oder in eine Notsituation geratenen Atemschutzträger. Der Sicherheitstrupp hält diese Tasche im Einsatzfall bereit.
Die Tasche enthält ein komplettes Atemschutzgerät (Atemschutzflasche, Maske, Lungenautomat), so wie 2 Karabiner, eine Bandschlinge (Endlosschlinge) und ein Rettungstuch.

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Hohlstrahlrohre

Hohlstrahlrohre bieten gegenüber herkömmlichen Mehrzweckstrahlrohren erhebliche Vorteile.
Während bei einem Mehrzweckstrahlrohr nur über die Einstellung Voll- oder Sprühstrahl (30 Grad) verfügt werden kann, gibt es bei einem modernen Hohlstrahlrohr eine größere und vor allem stufenlose Verstellung der Strahlform. Außerdem lässt sich die Durchflussmenge verstellen, was bei Mehrzweckstrahlrohren nur durch umständliches Abschrauben eines Strahlrohraufsatzes (Mundstück) erfolgen kann.
Im Übrigen ist der Wirkungsgrad ein anderer: Mit wesentlich weniger Wasser wird ein weitaus größerer Löscherfolg erzielt. Dies wirkt sich gerade bei Feuern in Gebäuden positiv auf die Vermeidung von Wasserschäden aus. Bei Hohlstrahlrohren wird das Wasser durch eine ringförmige Düse geführt, so dass ein hohler Wasserstrahl abgegeben wird. Das Löschwasser wird durch einen Zahnkranz in einen feinen Wassernebel zerschnitten. So wird eine Tröpfchengröße von < 0,3 mm erreicht. Je nach Strahlrohr und Zahnkranztyp wird der hohle Strahl mit einer unterschiedlichen Anzahl an Tröpfchen gefüllt was eine nahezu optimale Wasserverteilung, Wärmebindung und effektive Rauchgaskühlung ermöglicht.
Das Strahlbild kann Stufenlos vom Mannschutz (bis zu 120 Grad Öffnungswinkel), über den Sprühstrahl bis zum stabilen Vollstrahl verändert werden. Der Vollstrahl ist wesentlich stabiler (geringeres Ausregnen) und hat eine höhere Wurfweite als ein herkömmlicher Vollstrahl.
Die Durchflussmenge kann während des Löschangriffes ohne Unterbrechung der Wasserabgabe auf die jeweilige Einsatzsituation angepasst werden. Durch ihren feinen Wassernebel eignen sich die Strahlrohre auch für andere Einsatzzwecke um z. B. Dämpfe oder Gase im Gefahrguteinsatz niederzuschlagen.
Außerdem lässt sich das sogenannte „Netzwasser“ optimal ausbringen. Hierbei wird dem Wasser eine geringe Menge Schaummittel (ca. 0,8 % der Durchflussmenge) zugemischt. Durch diese Maßnahme wird die Oberflächenspannung des Wassers stark herabgesetzt und eine höhere Eindringtiefe in das Brandgut gewährleistet.

Bei Strahlrohren mit einem rotierenden Zahnkranz entsteht innerhalb des Wasserstrahls ein Unterdruck, der die Flammen in den Wasserkegel „saugt“. Diese Eigenschaft ermöglicht ein „Einfangen“ einer Gasflamme um die Gaszufuhr abzustellen.
Die Bedienung und der Umgang mit Hohlstrahlrohren erfordert hohes Geschick und Können um sie wirkungsvoll einzusetzen. Die verbesserten Eigenschaften lassen sich nur durch eine intensive Ausbildung erlernen.

Vollständig ersetzt werden die Mehrzweckstrahlrohre durch die neue Technik jedoch nicht. Gerade bei Flächen und Moorbränden bieten diese aufgrund ihrer geringen Anfälligkeit auf Verschmutzung einen Vorteil.

Bei der Stader Feuerwehr werden verschiedene Hohlstrahlrohre verwendet, mit denen sich ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten abarbeiten lässt.

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Fognail

Nicht selten ist das Betreten eines Brandraumes mit extremen Gefahren (Große Hitze, Gefahr von Rauchgasdurchzündungen) verbunden. In einigen Fällen lässt sich der Brandherd auch nicht immer in herkömmlicher Art und Weise erreichen, so zum Beispiel bei Bränden in Dachkonstruktionen, Zwischendecken oder in anderen Hohlräumen. Für solche Einsatzarten lässt sich ein Fognail verwenden. Mit dieser noch relativ neuen Technik lässt sich recht schnell ein Löscherfolg auch unter schwierigen bzw. nicht alltäglichen Bedingungen erzielen. Im Vergleich zu gewöhnlichen Strahlrohren wird mit dem Fognail wenig Wasser sehr fein vernebelt. Durch die große Oberfläche des Wassers wird so sehr schnell Wärme gebunden bzw. die Temperatur im Brandraum gesenkt. So lassen sich Räume vor dem Betreten durch Einsatzkräfte runterkühlen bzw. schwer erreichbare Brandherde zunächst bekämpfen ohne vorher aufwendig Zwischendecken o.ä. zu öffnen.
Zunächst wird mit einem speziellen Hammer ein Loch in den Brandraum (Wohnungstür, Dachhaut oder Zwischendecke) geschaffen. Durch dieses Loch wird die Löschlanze in den Raum eingebracht. Bei einem Betriebsdruck von 6 Bar Druck werden nun 70 l Wasser in der Minute in den Raum abgegeben. Bis zu drei dieser Fognails lassen sich mit dem mitgelieferten Verteiler (ein C auf drei D) anschließen und betreiben.
Es gibt zwei Arten von Löschnägeln, die sich durch ihr Sprühbild unterscheiden.
Breitsprühnagel - Der Fognail „Weitwinkel“
Er versprüht das Wasser 2 m weit, und deckt eine Breite von 5 m ab. Der Weitwinkel Löschnagel eignet sich vorzugsweise um eine Riegelstellung aufzubauen, um Wärme zu binden und Temperaturen im Brandraum zu senken.
 
Weitsprühnagel - Der Fognail „Angriff“
Bei diesem Löschnagel ergeben die Wasserstrahlen einen Kegel, der 8 m tief in den Raum eindringt und einen Bereich von maximal 3 m Breite abdeckt. Er erzielt durch seine größere Wurfweite eine nicht ganz so feine Verteilung des Löschwassers aber einen besseren Erfolg, wenn es gelingt, die Wasserstrahlen direkt auf den Brandherd auszurichten.
Auf beiden Stader Tanklöschfahrzeugen wird jeweils ein „Fognail-Set“ mit je 3 Löschnägeln, Spezial Hammer, Verteiler und D-Schlauch mitgeführt.

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Mobiler Rauchverschluss

Der Mobile Rauchverschluss dient der Feuerwehr bei Bränden in Gebäuden dazu die Rauchausbreitung zu verhindern bzw. zu minimieren.
Gerade bei Bränden in mehrgeschossigen Gebäuden wählt die Feuerwehr häufig den Treppenraum als ersten Angriffsweg. Um den Schaden durch Rauchausbreitung zu minimieren, setzt die Feuerwehr seit einiger Zeit vermehrt Mobile Rauchschürzen ein. Außerdem bleibt der Fluchtweg für fliehende Personen Rauchfrei.
Der eigentliche Rauchverschluss besteht aus einer Rauch-undurchlässigen, Flammhemmenden Textile welcher mit einem ausziehbaren Metallrahmen verbunden ist. Durch einen Spannverschluss lässt sich die Konstruktion leicht in einem Türrahmen verspannen. Türen mit einer breite von 68 bis 118 cm können problemlos mit der Rauchschürze versehen werden. Durch eine eingenähte „Bleischnur“ wird sichergestellt das sich der Vorhang bei geringen Luftströmungen nicht unkontrolliert bewegt.
In der Regel wird der Mobile Rauchverschluss von dem ersten vorgehendem Angriffstrupp vor öffnen der Brandraum/Wohnungstür eingebaut. Die Schlauchleitung kann problemlos unter dem Vorhang durchgeführt werden.

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PKW-Transportrollen

Die PKW- Transportrollen dienen zum schnellen versetzen von Fahrzeugen die den Einsatzablauf verhindern oder behindern. Die Transportrollen werden unter jedes Rad des PKW´s geklemmt und mit einem Hebevorgang angehoben. Fahzeuge können nun in alle Richtungen bewegt werden. Es können maximal 2,6t gehoben werden. Das entspricht in etwa einem Kleintransporter.

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Wärmebildkamera

Beide Züge der Ortsfeuerwehr Stade verfügen über eine Wärmebildkamera, hiermit lässt sich die Wärmesignatur der Umgebung sichtbar machen. Dieses geschieht mit Hilfe der Infrarottechnik. Da jeder Stoff eine andere Wärmeaufnahme bzw. Wärmeabgabe hat erscheint er in einer anderen Helligkeit auf dem Bild der Wärmebildkamera.
Die nutzbaren Vorteile für die Feuerwehr sind bei diesem Gerät enorm hoch. So lassen sich z. B. vermisste Personen in Brandobjekten durch den Rauch hindurch mit der Kamera sehr schnell finden, Brandherde in größeren Objekten schneller lokalisieren, Feuer in Gebäuden bereits von außen erkennen, letzte Brandnester bei Nachlöscharbeiten schnell finden, Füllstände von Behältern ermitteln und Hitzequellen in Elektroanlagen ausfindig machen.
Das Gerät ist sehr robust konstruiert und bietet einige Technische Möglichkeiten.
Mit einer Fernübertragung ist es möglich die Bilder der Kamera auch außerhalb des Objektes auf einem kleinen Bildschirm (Empfangsstation auf dem Einsatzleitwagen) zu sehen. Außerdem lassen sich mit der Kamera Fotos machen, die man später mittels PC auslesen kann. Als Hilfe für die vorgehenden Einsatzkräfte ist eine Temperaturmessung in dem Gerät integriert. Sehr heiße Bereiche werden zudem farbig dargestellt.

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Hochdrucklüfter

Mit diesem Gerät lassen sich Gebäude Entrauchen und Gebäudeteile rauchfrei halten. Ein durch Verbrennungsmotor oder Elektromotor angetriebenes Lüfterrad erzeugt einen Luftstrom der entweder einen geringen Überdruck z. B. in einem Treppenraum erzeugt oder ein Gebäude bzw. einen Gebäudeteil mit dem Prinzip der Querlüftung entraucht. Auf beiden Stader Tanklöschfahrzeugen und auf beiden Drehleitern werden Benzinbetriebene Hochdrucklüfter mitgeführt. Auf dem Rüstwagen ist zusätzlich ein Ex-geschützter Elektrolüfter vorhanden. Er kann in Bereichen zum Einsatz kommen in denen Zündfähige Gas-Luftgemische vorhanden sind.

Automatisierter Externer Defibrillator und Notfallrucksack

Seit einiger Zeit verfügt die Feuerwehr Stade über eine sehr umfangreiche Erste Hilfe Ausrüstung. Diese dient einerseits der Eigensicherung ermöglicht aber auch im Alltag jedem adäquat Hilfe zu leisten.
In einem Notfallrucksack werden neben Verbandsmaterialien verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie zum Beispiel Sauerstoff zur Inhalation, ein Beatmungsbeutel, Infusionsmaterial, Augenspüllösung und weitere Rettungsdienstmaterialien vorgehalten.
Durch die Anschaffung eines AED Gerätes wurden die Möglichkeiten, gerade im Kampf gegen den sog. plötzlichen Herztod, um ein vielfaches verbessert.
Ein AED Gerät analysiert mit Hilfe einer Software ob eine Defibrillation (Elektroschock) erforderlich ist. Diese kann dann durch einen einfachen Knopfdruck durch den Bediener ausgelöst werden. Der Herzrhythmus wird vollautomatisch durch sog. Klebeelektroden erfasst, diese werden zuvor auf den Oberkörper des Patienten geklebt. Durch seine einfache Bedienung eignet sich der AED auch für Laienhelfer. Abbildungen beim Öffnen des Gerätes erleichtern die Bedienung. Zudem wird der Anwender optisch und akustisch geführt. Jeder notwendige Schritt beim Auffinden einer leblosen Person wird durch eine Computerstimme erklärt.
Diese Ausrüstung ist in beiden Zügen der Ortsfeuerwehr vorhanden und wird auf dem ELW mitgeführt.
Alle Feuerwehrleute werden regelmäßig auf dem AED-Gerät geschult und umfangreich in Erster Hilfe unterrichtet.
Zudem verfügt die Feuerwehr Stade über eine Vielzahl von Einsatzkräften die ausgebildete Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten sind.

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